Jesus nachfolgen

Ist schon eine seltsame Geschichte, die wir da gerade aus der Bibel gehört haben. Sie steht bei Markus 1, Verse 16-20. Also ganz am Anfang des Markusevangeliums. Es ist eigentlich noch gar nicht so recht etwas geschehen bis zu dieser Stelle. Jesus hat sich durch Johannes im Jordan taufen lassen, und schon sind wir an der Stelle, mit der wir uns heute Abend beschäftigen werden.

Jesus geht am Strand entlang, sieht einige Fischer bei der Arbeit und sagt: "Kommt und folgt mir". Die Fischer folgen Ihm.

Stellt Euch das mal vor, ich meine, in der Schule kann ich mir das ja noch vorstellen: Mitten in der Mathestunde kommt einer in die Klasse und sagt: "Laßt alles liegen und folgt mir." Natürlich ist der Raum innerhalb von Minuten leergefegt. Aber sonst, bei der Arbeit, in der Familie, bei Freund oder Freundin? So einfach ist das gar nicht.

Ich glaube schon, daß die Fischer oder besser die Jünger Jesus bereits vorher gekannt haben. Wenn man ein wenig in der Bibel schmökert, stößt man auch bei den anderen Evangelisten darauf, daß Jesus bereits seit einiger Zeit seine Botschaft in Galiläa verkündete. Also wußten sie wohl schon, worauf sie sich einließen.

Jesus selbst sagt einmal (Mat 16, 24-26) : Wer mit mir gehen will, der muß sich und seine Wünsche aufgeben. Er muß sein Kreuz auf sich nehmen und mir auf meinem Wege folgen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es gewinnen. Was hat ein Mensch davon, wenn er die Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert?

Das ist eine sehr strenge Forderung. Nachfolge klingt immer so einfach, aber so leicht ist das dann doch nicht. Wenn ich diese Sätze in meinem Herzen betrachte, kriege ich fast ein wenig Angst. Kann ich dieser Anforderung überhaupt gerecht werden? Bin ich dem gewachsen? Ich habe dann nur die Hoffnung oder besser die Gewißheit, daß Gott mich so annimmt, wie ich bin mit meinen Stärken und Schwächen. Nicht jeder ist ein Eremit, der in der Wüste lebt und sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt wie Johannes der Täufer. Jeder hat seinen Platz. So wie die Körperteile einen funktionierenden Körper ergeben, so ergeben wir Christen eine funktionierende Christenheit. Wenn wir unser Bestes geben und alle anderen das Ihre dazutun, dann wird Nachfolge gelingen.

Wir kennen Jesus nun wirklich schon seit einiger Zeit. Von den Eltern, vom Kindergottesdienst oder spätestens vom Konfirmandenunterricht.

Wenn er jetzt durch diese Tür kommt, und sagt: "Los, folgt mir. Laßt alles liegen. Vertraut mir!" Würden wir ihm folgen können?

Ist da nicht eher das Gefühl:

Klar folge ich dir, aber muß es denn sofort sein? Ich bin noch so jung, ich habe mein Leben doch noch vor mir. Reicht es nicht, wenn ich ein wenig später dazukomme? Es paßt gerade im Moment nicht so recht, wenn Du morgen mal wieder vorbeischauen könntest, daß wäre schon Spitze.

Ich muß nur noch eben ein wenig Geld verdienen und mein neues Haus (Kleid, Mofa, ...) in den Griff kriegen und schon kann es losgehen.

Da sind ja noch so viele andere. Willst Du Dich nicht erst mal um die kümmern?

Ganz bestimmt hätte ich mit diesem plötzlichen Auftauchen meine Probleme. Kann ich Ihm auch wirklich trauen, wie soll es weitergehen. Wenn Jesus jetzt käme, würde er uns auf dem richtigen oder auf dem falschen Fuß erwischen? Es fällt mir richtig schwer, mir vorzustellen, wie es ist, wenn Jesus plötzlich kommt.

Vor wenigen Monaten hat mich mit meiner Weihnachtspost über das Internet ein Gedicht erreicht. Als ich es gelesen hatte, habe ich erst mal geschluckt Die Vorstellung daß es so weit ist, plötzlich, heute, jetzt hat mich doch umgehauen. Ich habe das Gedicht ins Deutsche übersetzt und möchte es jetzt gern vorlesen. Schließt die Augen und stellt euch einen kühlen Wintertag vor, so wie er gerade vergangen ist, oder morgen wieder sein wird. Das Gedicht heißt im Original

T`was the night before Jesus came.

In der deutschen Übersetzung: Der Tag als Jesus kam.

Es war jene Nacht und in unserm Haus
war keiner am Beten, nicht einer im Haus.
Die Bibeln, sie lagen im Regal ohne Acht,
in der Hoffnung, daß Jesus sie nicht ausfindig macht.

Die Kinder, sie gingen gerade zu Bett,
Nicht eines betete, Herr, heute war es nett.
Und Mutter im Lehnstuhl, das Baby im Arm,
sah im Fernsehn grad´ Notruf, ich döste, s`war warm.

Als plötzlich vom Osten ein Lärm zu uns drang,
Ich sprang sofort auf, zu sehn woher´s kam.
Ich raste zum Fenster, Mike Jordan wär stolz,
und öffnete hastig, die Rolläden aus Holz!

Ich war von den Socken, denn was sah ich da?
Es waren die Engel, der Herr Jesus sei nah.
Ein Licht wie die Sonne, ein blendender Strahl.
Dies ist nun der Tag, ich wußt es voll Qual.

Vom Blick seiner Augen ging ich auf die Knie
Es war wirklich Jesus! Ich weinte wie nie.
Was nützt mir mein Reichtum und Macht in der Welt,
jetzt war Er gekommen, wie die Bibel´s erzählt.

Das Büchlein des Lebens, er hielt´s in der Hand
das voll mit den Namen Geretteter stand.
Er sprach nicht ein Wort, sondern suchte auf`s Neue
Als er mich nicht fand, war zu spät meine Reue.

Die Menschen auf Erden, deren Namen Er fand,
die bringt Er zum Vater mit sicherer Hand.
Mit denen, die bereit warn verschwand Er allein.
Nur der Rest hier auf Erden blieb wartend daheim.

Ich fiel auf die Knie, doch es war schon zu spät,
ich war nicht bereit, mein Schicksal gesät
Ich stand auf und weinte, als dem Blick sie entschwanden
Wär ich bloß bereit heut vor Ihm gestanden.

Die Worte der Verse sind nur allzu klar.
Die Ankunft des Herrn ist vielleicht schon ganz nah.
Es gibt nur ein Leben und es wäre echt schlecht,
Wenn wir zu spät merken: Die Bibel hat recht!

Das ist schon ein Hammer. Wenn Er jetzt käme. Das Gefühl das ich dabei habe hat sicherlich jeder von Euch auch. Sind wir schon soweit?

Ist es nicht oft so, daß wir Gott nur brauchen, wenn es mal nicht so läuft, wie wir es wollen? Wenn die Klausur oder Klassenarbeit viel zu schwer und ohne göttliche Hilfe nicht zu schaffen ist? Wenn wir uns selber mal wieder so richtig ausmanövriert haben. Vater hilf, Gott hilf, Jesus, nur dies eine mal .....

Und wenn es dann nicht so läuft, wie wir es gern hätten, dann kriegt Gott aber sein Fett. Wie konnte er das nur zulassen. Wie kannst Du nur. Und ich hatte Dich doch extra gebeten, ja ich habe sogar mal gebetet.

Klar soll man Gott bitten, und es wirkt ja auch ganz oft. Aber mindestens genauso oft darf man ihm auch mal danken, so wie wir es in diesem Gottesdienst tun. Jesus ist immer bei uns, nicht nur wenn es uns schlecht geht. Er ist unser Retter und Freund. Wir dürfen ihm folgen. Das heißt, er ist schon vor uns den Weg gegangen. Wir haben Hilfe auf dem Weg. Er läßt uns in der Nachfolge nicht allein.

Kennt jeder den Flyer, den wir für diese Jesus-Night erstellt haben? Er zeigt zwei Christen bei einem geheimen Treffen mitten in der Nacht. Heimlich tauschen sie Bibeln, Fischaufkleber und Kreuze. Wir sehen hier zwei typische U-Boot Christen. Nur nicht anecken, lieber nichts von unserem Glauben sagen. Die Bibel und die Fische als Erkennungszeichen der Christen untereinander werden heimlich unter der Ladentheke gehandelt.

Ich glaube, wir sind oft viel zu zaghaft. Nachfolge bedeutet doch Flagge zeigen. Ihr seid das Licht der Welt. Zeigen, daß es uns wirklich gibt. Seht her, es gibt Christen. Ja, ich glaube an Gott. Unser Glaube soll nach draußen getragen werden. Er darf nicht hinter dieser Kirchentür stecken bleiben. Wir müssen uns zeigen, nachher denkt noch jemand, es gibt schon gar keine Christen mehr.

Laßt uns den Mut zur Nachfolge haben. Die frohe Botschaft muß unter die Leute gebracht werden. Nicht mit dem Holzhammer, aber beständig. Immer wieder eine kleine Dosis Christentum, bis alle verrückt nach der Erlösung werden. Es kann doch nicht angehen, daß mehr Leute die heiße Tasse von Unox kennen als die Bibel. Wir müssen Werbung machen für uns, für unseren Glauben.

Christsein macht aber nicht nur süchtig, sondern es ist auch noch gefährlich. Allein durch den Besuch dieses Gottesdienstes gefährdet ihr Euer Leben.

Ja, Euer ganzes Leben kann sich ändern, wenn ihr euch Jesus anvertraut. Er gibt euch ein Ziel und eine Hoffnung. Er ist der Weg zum Heil. Jesus krempelt unser Leben um. Jesus ist unser Freund. Er geht voran. Er verlangt nichts Unmögliches. Wir folgen Ihm.

Da finde ich es echt super, daß sich zwei von Euch bereit erklärt haben sich heute in der Jesus Night taufen zu lassen. Allen zu zeigen, daß sie Jesus als ihren Freund, Helfer und auch Herrscher anerkennen. Es ist toll zu sagen, ich will in die Nachfolge Jesu treten, mit all meinen Fehlern und mit all meinen Bedenken. Ja, ich will dazugehören und das heute auch zeigen. Ich wünsche mir für Euch, daß ihr euch lange an diesen Tag erinnern werdet.

Amen


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13.06.97 (Update 25.01.98) Holger Böttcher